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4 Jan

Brigitte Geiselhart (Germany)
SÜDKURIER, April 9th, 2013


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Gute Noten für „Polozk schreibt für Friedrichshafen“ [Students get the profit]

Friedrichshafen -  Polozk schreibt für Friedrichshafen: Tatjana Gordejonok, Leiterin der Abteilung für Deutsch an der Polozker Universität, ist vom Verlauf des Projekts begeistert.

Waren Sie skeptisch, als Sie im September 2012 erstmals von einem geplanten Journalismusprojekt „Polozk schreibt für Friedrichshafen“ gehört haben?

Skeptisch? Auf keinen Fall. Interessant, spannend, neu, frisch – das sind die richtigen Wörter, die meine ersten Gefühle wiedergeben können. Und noch ein anderer Gedanke, der mir sofort gekommen ist: Wenn ich in meiner Studienzeit solch eine Möglichkeit gehabt hätte, hätte ich unbedingt mitge-macht.

Wie ist das Projekt von den Studenten aufgenommen worden und welche Unterstützung brauchen sie?

 Unsere Studenten studieren nicht Journalistik, deshalb wissen sie natürlich nur ungefähr, wie man einen Zeitungsartikel schreibt. Einige erkennen das intuitiv, andere brauchen Beistand. Es gab von Anfang an Studenten, die die Idee des Wettbewerbs mit Begeisterung aufgenommen und sich sofort an die Arbeit gemacht haben. Die ersten gedruckten Artikel wurden von allen mit großem Interesse gelesen. Jetzt wollen viele, die zuerst unsicher waren, am Projekt teilnehmen, weil die ersten Früchte sie wirklich beeindruckt haben.

Die bisher veröffentlichten Wettbewerbsartikel zeigen, dass sich die Studenten nicht scheuen, auch erfri-schend gesellschaftskritische Themen anzusprechen. Überrascht Sie das?

Überhaupt nicht. Ich unterrichte verschiedene Fächer und lerne die Studenten kennen, wenn sie im ersten Studienjahr sind. Besonders intensiv arbeite ich mit den Studenten des dritten Studienjahres, wir sehen uns sechs Mal die Woche an der Universität. Im Sprach- und Literaturunterricht werden die unterschiedlichsten Themen aufgegriffen, zu denen die Studenten frei und offen ihre Meinung äußern können. Also weiß ich, wie sie leben und was sie bewegt.

Profitieren die Studenten durch den Wettbewerb auch in Bezug auf ihre Deutschkenntnisse?

Ich denke, ja. Es ist längst bewiesen, dass wir etwa zehn Prozent von dem behalten, was wir lesen. 20 Prozent Gehörtes, 30 Prozent Gesehenes und 70 Prozent von dem, was wir sehen und hören. Aber die effektivste Lernmethode ist, wenn wir etwas selbst ausführen. In diesem Fall behalten wir 90 Prozent des ganzen Stoffes. Durch die Teilnahme am Wettbewerb werden die Studenten stärker aktiviert und das hilft ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Sie haben vom SÜDKURIER einen E-Paper-Zugang zur Verfügung gestellt bekommen. Wird damit innerhalb des Unterrichts an der Uni Polozk gearbeitet?

Ja. So habe ich zum Beispiel für den Einsatz im Sprachunter-richt einige Artikel zum Thema „Fasnet“ überarbeitet. Dieses landeskundliche Thema gibt den Anstoß zur Entwicklung von Neugierde, erweitert Horizonte und bietet Anknüpfungspunkte für das Sprechen. Mit den Klasse!-Materialien haben wir auch die Blattstruktur des SÜDKURIER kennen gelernt. Die Studenten haben festgestellt, dass es wesentliche Unterschiede zwischen der deutschen und belarussischen Presse gibt.

Sie wollen sich mit Ihren Studenten sogar am Klasse!Projekt des SÜD-KURIER beteiligen und den Lesern in Friedrichshafen eine selbst gestaltete Zeitungsseite präsentieren. Auf welche Themen darf man gespannt sein?

Alle Inhalte werden um ein großes Thema kreisen – die Partnerschaft zwischen Polozk und Friedrichshafen: Geschichte, Gegenwart, Zukunft. Wir möchten das Wort den Menschen geben, für die Friedrichshafen (oder Polozk) schicksalhaft geworden ist. Wir haben vor, über den aktuellen Stand der Partnerschaft zu erzählen und vielleicht einen Blick in die Zukunft werfen.

Auch wenn das Projekt noch das ganze Jahr 2013 läuft – können Sie schon jetzt ein persönliches Zwischenfazit ziehen?

Dieses Projekt ist bedeutsam für die weitere Entwicklung unserer Studenten. Es trägt zur Erweiterung ihrer Sprachkenntnisse bei, fördert das autonome Lernen und beweist, dass unsere Studenten nicht so unselbständig sind, wie es in einem der Artikel gezeigt wurde. Ich hoffe, dass die Artikel für die deutschen Leser interessant sind. Wahre Geschichten aus dem Leben der Belarussen sprechen Bände und bringen Kulturen einander näher. Was mich persönlich angeht, bin ich durch dieses Projekt mit vielen interessanten Menschen in Kontakt gekommen. Und diese Bekanntschaft ist für mich eine echte Bereicherung.

Originally published: http://www.suedkurier.de/medienprojekt-polozk./Gute-Noten-fuer-8222-Polozk-schreibt-fuer-Friedrichshafen-8220;art372474,5998031

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About the media project ’Polotsk writes for Friedrichshafen’

Belarusian students learning German at Polotsk State University shed light on life in Friedrichshafen’s sister town within the framework of the media project ’Polotsk writes for Friedrichshafen’.

This project is authored and coordinated by freelance journalist Brigitte Geiselhart.